Beweglichkeit im Basketball - Verletzungsprävention und Koordination

Vor einiger Zeit habe ich einen kurzen Artikel über den Einfluss von statischem und dynamischem Dehnen auf die Sprungfähigkeit geschrieben. Die Sprungkraft profitiert demnach von einem Dehnungsprogramm mit hohen dynamischen Anteilen. Heute möchte ich auf die zu Grunde liegende Fähigkeit eingehen. Die Beweglichkeit!

Die Beweglichkeit setzt sich aus der Gelenkigkeit und der Dehnfähigkeit zusammen.

  • Gelenkigkeit - Schwingungsweite in den Gelenken, die durch individuelle anatomische Verhältnisse bestimmt wird (bedingt trainierbar)
  • Dehnfähigkeit - Schwingungsweite des aktiven Bewegungsapparats also der Muskeln, der Sehnen und der Bänder (gut trainierbar)

Demnach könnte man die Beweglichkeit wie folgt definieren.

  • Die Beweglichkeit ist die Fähigkeit Bewegungen mit einer bestimmten Schwingungsweite auszuführen. Sie ist begrenzt durch das Zusammenspiel der maximalen Gelenkigkeit und Dehnfähigkeit.

Allgemeines zur Beweglichkeit

Die maximale Beweglichkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Diese lassen sich grob in körperinnere und körperäußere Faktoren aufteilen.

  • innere Faktoren -  Gelenkigkeit, Dehnfähigkeit, Schmerzen, Alter, Muskeltemperatur, Biorythmus
  • äußere Faktoren - Umgebungstemperatur, umgebendes Medium, Tageszeit, äußere Kräfte

Diese Einteilung ist nicht perfekt, so ist die Tageszeit eine äußere Eigenschaft, die direkt eine innere Eigenschaft den Biorythmus beeinflusst.

Aus diesen Faktoren ergeben sich unterschiedliche Erscheinungsformen der Beweglichkeit. Führt ihr mit einem Bein eine Schwungbewegung mit maximaler Bewegungsamplitude durch, spricht man beispielsweise von aktiver Beweglichkeit. Da der Radius dieser Bewegung lediglich durch eure Muskelkraft erreicht wird. Drückt ein Trainingspartner euer Bein jedoch in eine bestimmte Position, wirkt eine äußere Kraft. Die Schwingungsweite dieser Bewegung wird als passive Beweglichkeit bezeichnet. Die passive Beweglichkeit ist stets größer als die aktive Beweglichkeit.

 

Eine ebenfalls häufig verwendete Unterscheidungsform ist die allgemeine und die sportartspezische Beweglichkeit. Im Basketball ist vor allem die Beweglichkeit im Bereich des Knöchels und der Hüfte gegenüber der allgeimenen Beweglichkeit erhöht und damit sportartspezifisch.

 

Weitere Unterscheidungsformen sind die lokale und die globale (in einem spezifischen oder durch das Zusammenspiel mehrere Gelenke) sowie die statische und die dynamische Beweglichkeit.

 

Koordination

Basketball ist eine der koordinativ anspruchsvollsten Sportarten überhaupt. Verschiedene Bewegungen wie der Eurostep oder ein Spinmove aber auch das allgemeine Ballhandling erfordern ein hohes Maß an Koordination. Voraussetzung für eine gute Koordination ist eine gute Beweglichkeit.

 

Die Beweglichkeit wird neben der Raumorientierung, der Wendigkeit, der Reizempfindlichkeit, dem Antizipationsvermögen, der Reaktionsschnelligkeit und dem Gleichgewichtsgefühl als einer der Haupteinflussfaktoren auf die Koordination angesehen.

 

Eine Beweglichkeitsverbesserung geht also auch mit einer besseren Koordination einher. Wobei hier das Prinzip des Flaschenhalses gilt. Das heißt überspitzt gesagt, wenn ihr absolut kein Gleichgewichtsgefühl und schon Probleme habt aufrecht zu stehen, bringt es wenig die Beweglichkeit zu verbessern.

 

Ein Beispiel: Stellt euch vor, ihr seid ein Schlangenmensch und könntet jede mögliche Bewegung mit enormer Amplitude ausführen. Wenn ihr aber nicht aufrecht stehen könnt, wird euch trotzdem kein Spinmove gelingen, weil ihr während der Drehung aufgrund eures schlechten Gleichgewichts stürzen werdet.

 

Diese Beispiel ist natürlich absolut unrealistisch. Es soll jedoch zeigen, dass die Koordination ein komplexes Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren ist. Den meisten Fortschritt werdet ihr haben, wenn ihr immer zuerst eure schwächste koordinative Fähigkeit trainiert.

 

Es macht aber aus einem weiteren sehr wichtigen Grund Sinn, die Beweglichkeit stetig zu verbessern.

Verletzungsprävention

Die einfache Formel gute Beweglichkeit = geringeres Verletzungsrisiko ist gilt in jeder Sportart. Wenn euer Körper in der Lage ist bestimmte Bewegungen mit einer sehr großen Schwingungsweite auszuführen, ohne das Gelenke, Sehnen, Muskeln oder Bänder schaden nehmen, werdet ihr euch in Spielsituationen bei diesen Schwingungsweiten nicht verletzten. Eine Verletzung entsteht häufig dann, wenn eine Bewegungamplitude über das physiologisch mögliche Maß erreicht wird.

 

Nehmen wir als Beispiel einfach mal das Umknicken des Knöchels nach außen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dadurch zu einer Bänderverletzung kommt, ist umso geringer je größer die Beweglichkeit der Bänder ist. Aus diesem Grund führe ich vor jedem Training Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit im Sprunggelenk durch.

 

Habt ihr noch Fragen zum Thema Beweglichkeit, dann hinterlasst doch einen Kommentar.

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